„Die Buche ist über 100 Jahre alt und hat nie Probleme gemacht“, sagt Oliver Agster. Doch jetzt brechen ihr Äste aus der Krone. Der heiße und trockene Sommer war für die Buchen im Palmengarten eine Zumutung. Um sie muss sich Gärtnermeister Agster nun besonders kümmern. „Die Buchen schaffen es an heißen Tagen nicht, genug Wasser bis in die Krone zu transportieren“, sagt Agster. In der Folge biegen sich die Äste nach unten. Wenn dauerhaft zu wenig Wasser in die Äste transportiert wird, brechen sie irgendwann ab. Der abgebrochene Ast hinterlässt eine Lücke in der Krone. Durch die kann die Sonne direkt auf die Rinde scheinen. „Das ist eine sehr dünne, empfindliche Rinde“, sagt Agster. Die Rinde kann an dieser Stelle eine Art Sonnenbrand bekommen, das Leitgewebe wird beschädigt und kann Wasser und Nährstoffe schlechter transportieren. Eine Abwärtsspirale beginnt. Deshalb muss der Gärtnermeister eingreifen. Sein Team wickelt Gewebe um die Rinde der betroffenen Bäume als Sonnenschutz. Um die herunterhängenden Äste zu entlasten, schneiden darauf spezialisierte Baumpfleger die Äste zurück. Beides sind Arbeiten, die sie früher nicht machen mussten. Sie kosten zusätzliche Arbeitszeit und Geld. „Deshalb brauchen wir die Hilfe von Bürgern“, sagt Kirsten Grote-Bär. Bürger können angeschlagenen Bäumen helfen Grote-Bär verantwortet das Baumpatenschaftsprogramm des Palmengartens. Bürger können Pate von Großgehölzen werden und damit deren Pflege mitfinanzieren. Der Palmengarten bietet 35 „Patenkinder“ in den Kategorien Zukunftsbaum, Rarität, Baum mit Geschichte und Lebendes Fossil an. Darunter auch eine Blutbuche in der Kategorie Rarität, sie ist ein Naturdenkmal. Die Paten zahlen je nach Kategorie 40 oder 90, 200 oder 500 Euro im Jahr. Grote-Bär sagt: „Wir möchten die Bürger am Palmengarten beteiligen, an seiner Geschichte und an der Zukunft.“ Unter den Paten ist in der Kategorie Zukunftsbaum der sogenannte Schlafbaum am beliebtesten. „Wahrscheinlich wegen des Namens“, vermutet Grote-Bär. Seine Eigenschaften haben aber auch Potential zum Publikumsliebling. „Der Schlafbaum reagiert auf das Sonnenlicht. Er klappt bei Trockenheit und nachts die Blätter ein, um die Verdunstung zu reduzieren“, sagt Agster. Dadurch braucht er weniger Wasser. Seine Krone wächst in die Breite und vermindert dadurch auch die Verdunstung in seinem Wurzelbereich. Derzeit müssen der Schlafbaum, der auch als Seidenbaum bezeichnet wird, und die anderen Baumarten in der Kategorie Zukunftsbäume aber noch kräftig gegossen werden. Denn sie sind erst wenige Jahre alt. Im Sommer werden sie zwei- bis dreimal in der Woche mit 100 Litern gewässert. In ein paar Jahren, wenn die Kronen dichter und das Wurzelwerk verzweigter sind, müssen sie nur noch einmal in der Woche gegossen werden. Dann werden sie ihrem Namen als Zukunftsbaum gerecht. Denn damit sind Baumarten gemeint, die Trockenheit und Hitze besser vertragen als heimische Gehölze. Sie stammen aus anderen klimatischen Regionen, müssen aber winterhart sein, um den deutschen Winter zu überstehen. Der Schlaf- oder Seidenbaum ist ursprünglich von Iran bis ins östliche China verbreitet. „Patenkinder“ können auch die Paten verändern Jeder Baum hat seine eigene Überlebensstrategie und seine eigene Geschichte. Gärtnermeister Agster scheint sie alle zu kennen. Gerade hat er die Strategie des Schlafbaums erläutert, da ist er schon beim nächsten Baum. Der Esskastanie. Sie sei früher im Mittelmeerraum sehr wichtig gewesen. Ihre Früchte seien getrocknet und zu Mehl gemahlen worden. Auch die Korkeiche hätten die Menschen genutzt. Aus der dicken Borke könne man Kork machen. „Für den Bau und sogar für Handtaschen.“ Die Spanische Eiche, an der er vorhin stand, sei übrigens eine Kreuzung von Zerr-Eiche und Korkeiche. Die Zerr-Eiche sei „ein absoluter Zukunftsbaum“. Wer die Bäume kennt wie Agster, der blickt anders auf sie. Auch im Alltag. Davon ist Grote-Bär überzeugt, und das möchte sie mit der Patenschaft fördern. Jeder Pate erhält eine Patenschaftsurkunde und Informationen über seinen Patenbaum und dessen Geschichte. Im Moment nehmen 200 Paten an dem im Juli 2025 gestarteten Projekt teil. Jede Woche kämen ein oder zwei Paten dazu, sagt Grote-Bär. Nach einem Jahr endet die Patenschaft, viele verlängerten sie aber. Fragt man Agster, welcher sein Lieblingsbaum ist, überlegt er lange. Er könne sich nicht entscheiden: „Alle unsere Bäume sind besonders.“
